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Brandkatastrophe: Trauer, Wut, Vorwürfe nach Brand-Inferno von Crans-Montana

today1. März 2026 7

Hintergrund
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Zwei Monate ist es her, dass die Neujahrsnacht im Schweizer Skiort Crans-Montana zur tödlichen Falle wurde. 41 Menschen starben in den Flammen der Bar „Le Constellation“. Während die Überlebenden mit schwersten Brandverletzungen kämpfen, wächst die Wut der Hinterbliebenen. Denn die Suche nach den Schuldigen führt in ein Dickicht aus Behördenversagen und dubiosen Verflechtungen.

„Mein Körper ist zu einem Schlachtfeld geworden.“ Diese Worte der Überlebenden Mélanie Van de Velde beschreiben das Grauen, das in Crans-Montana seinen Anfang nahm. Für sie und dutzende andere bestimmen heute Hauttransplantationen und Reha-Kliniken den Alltag. Doch zu den körperlichen Schmerzen gesellt sich eine quälende Frage: Warum mussten so viele junge Menschen sterben?

Im Zentrum der Ermittlungen stehen die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti. Partyfontänen sollen den Schaumstoff an der Decke entzündet haben. Die Vorwürfe wiegen schwer: Waren die Notausgänge falsch markiert? Wurde eine Fluchttreppe eigenmächtig verengt? Die Morettis weisen jede Schuld von sich, doch die Wut der Familien ist so groß, dass die Beschuldigten vor dem Gerichtsgebäude in Sitten nur unter Polizeischutz und Beschimpfungen erscheinen konnten.

Doch die Verantwortung scheint weit über die Bar hinauszugehen. Es kam ans Licht, dass seit 2019 keine einzige Brandschutzkontrolle in dem Lokal stattfand. Die Begründung der Gemeinde klingt fast surreal: Ein IT-Fachmann soll die Feuerwehr-Software aus Rache für eine Kündigung manipuliert haben, wodurch Daten verloren gingen.

Anwälte der Opfer sprechen offen von der sogenannten „Walliserei“ – einem Geflecht aus Freundschaften und Parteibüchern, das eine lückenlose Aufklärung verhindere. So sitzen die ermittelnde Oberstaatsanwältin und der kritisierte Gemeindepräsident nicht nur in derselben Partei, sondern auch in derselben exklusiven Weinbruderschaft.

Für die Hinterbliebenen mahlen die Mühlen der Justiz viel zu langsam. Der Zorn ist mittlerweile eine Staatsaffäre: Italien zog zeitweise sogar seinen Botschafter ab, aus Protest gegen die Freilassung der Barbetreiber auf Kaution.

Fahrlässige Tötung, fehlende Kontrollen und der Verdacht auf politischen Filz – die Tragödie von Crans-Montana ist längst mehr als ein Unglück. Sie ist eine Zerreißprobe für die Schweizer Justiz.

Geschrieben von: redaktion

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