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Kabarettist Dieter Hallervorden (Mitte) beobachtet mit CDU-Anhängern die Prognose für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Nach den drastischen Stimmenverlusten der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt sich der 91-jährige Kabarettist und Theatergründer Dieter Hallervorden tief erschüttert über das historische Ergebnis der AfD. Hallervorden, der vor der Wahl noch öffentlich für den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze geworben hatte, äußert nun deutliche Kritik an der Parteiführung in Berlin und prognostiziert, dass der Bundeskanzler bald nicht mehr Friedrich Merz heißen werde. Dem CDU-Chef schreibt er eine direkte Mitschuld am Vertrauensverlust der Wähler zu.
Die Hauptursache für den Aufstieg der AfD sieht Hallervorden in einer verfehlten und bürgerfernen Politik der Etablierten. Symbolische Debatten und Maßnahmen wie etwa die Diskussion um eine Zuckersteuer gingen völlig am Alltag der Menschen vorbei, anstatt deren reale Sorgen zu adressieren. Durch diesen fehlenden Bezug zu den Bürgern hätten CDU und SPD den Erfolg der AfD überhaupt erst ermöglicht.
Für die Zukunft befürchtet der Theaterleiter schwerwiegende Konsequenzen für die Demokratie und die Kulturlandschaft. Ein Erstarken der AfD bedrohe die künstlerische Freiheit durch drohende Zensur und die Einschränkung von Fördermitteln. Trotz seiner Bestürzung betont Hallervorden jedoch, sein Engagement im Land nicht aufzugeben: Er werde weiterhin an seinem Theaterstandort in Dessau festhalten und sich vor Ort aktiv einbringen.
Später am Abend wurde Hallervorden bei Maybrit Illner im ZDF zugeschaltet. Dort stellte er zunächst eines klar: „Ich bin niemals Mitglied einer Partei gewesen und vergebe meine Gunst mal so, mal so. Ich bin bekannt dafür, auch öffentlich meine Meinung zu sagen.“
Das tat er dann auch. Auf die Frage, ob mit einem Ministerpräsidenten Schulze eine Regierung gegen die AfD zu bauen sei, antwortete Hallervorden: „Ich halte den Unvereinbarkeitsbeschluss mit den Linken für absolut antiquiert, das muss man schnellstens überdenken.“ Wenn man eine Chance haben wolle, gehe das nur mit den Linken. Die Lage in dem Bundesland ist kompliziert: Eine Mehrheit gegen die AfD wäre nur mit einem breiten Bündnis aus CDU, SPD, Grünen, Linken und BSW zu holen.
Hallervorden stellt klar: Eine AfD-geführte Regierung in seiner Heimat wäre eine Katastrophe. Nicht nur für ihn, sondern für alle Kulturschaffenden. Er hat das Mitteldeutsche Theater in Dessau gegründet, ist Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Fielen Fördermittel mit einer AfD weg, gerieten Kulturschaffende unter massiven wirtschaftlichen Druck, warnte er. Und machte klar: „Das ist eine todtraurige Situation für mich. Schuld ist nicht nur Sven Schulze. Schuld daran sind CDU und SPD, die die Politik der AfD so möglich gemacht haben. Sie hätten eine Politik machen können, die die Menschen erwarten. Eine Politik, die das Leben der Menschen erleichtert.“
Als Negativbeispiel nannte er die Zuckersteuer. „Das ist das, wie man Menschen verprellt.“ Man habe die Belange der Bürgerinnen und Bürger zu wenig ernst genommen.
Zum Schluss wurde Hallervorden im ZDF noch einmal deutlich in puncto AfD und Kultur: „Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch. Diese Partei wird dazu beitragen, das Vertrauen in die Demokratie weiter zu unterhöhlen. Und sie wird in meinem Bereich schweren Schaden anrichten durch ihre Zensurbestrebungen.“
Geschrieben von: redaktion
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