Politik

US-Militär: Trump droht mit Truppenabzug aus Deutschland nach Kritik von Merz

today30. April 2026 1

Hintergrund
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Was als Kritik von Merz am Irankrieg begann, scheint nun zu eskalieren. Donald Trump bringt den Abzug von Soldaten aus Deutschland ins Spiel. Auch gegen andere Europäer zürnt er.

Es war wieder eine Nacht für die Geschichtsbücher auf Donald Trumps sozialem Netzwerk „Truth Social“. Erst drohte er dem Iran in einem martialischen Post mit der Überschrift „No more Mr. Nice Guy“. Darunter ein offensichtlich mit KI erstelltes Foto von sich mit Anzug, Maschinengewehr und Sonnenbrille. Umgeben ist er dabei von explodierenden Gebäuden. Dann beschimpfte er den Chef der US-Notenbank, Jerome Powell. Und verkündete, dass die USA eine mögliche Truppenreduzierung in Deutschland prüfen würden. Eine Entscheidung solle in Kürze getroffen werden, schrieb er weiter.

Die Ankündigung könnte eine Eskalation der Auseinandersetzung mit Bundeskanzler Friedrich Merz über den Irankrieg sein. Merz hatte lange ein recht gutes Verhältnis mit dem US-Präsidenten. Stimmte aber zuletzt dann einen neuen Ton an und vor allem Washington kritischen Ton an. Er warf der US-Regierung unter anderem vor, keine Ausstiegs-Strategie für den Irankrieg zu haben. „Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“, sagte er bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland.

Die Amerikaner seien im Iran „ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen“. Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. „Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln“, so Merz. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“ Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen“, sagte der Bundeskanzler weiter.

Donald Trump drohte schon früher mit Truppenabzug

Auf die Äußerung folgte schnell Trumps deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb Trump über Merz auf Truth Social. Es sei kein Wunder, „dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“. Wie schon dem Papst warf er nun auch dem Bundeskanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.

Die Drohung, US-Truppen in Deutschland zu reduzieren, ist nicht neu. Das hat Trump schon in seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 getan. Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.

Darüber, wie gestört das Verhältnis zwischen Kanzler und US-Präsident ist, kann man nur spekulieren. Merz versuchte auf jeden Fall zu beruhigen. Er sagte am Mittwoch: „Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut“, sagte er. „Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander.“

Die Basen sind wichtig für den Nachschub

So einfach, wie Trump sich das jetzt vielleicht denken mag, ist das mit einem Truppenabzug nicht. In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte, die bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner etwa im Nahen Osten für das Land von enormer Bedeutung sind: Hier sind Truppen, Waffen, Schiffe und Flugzeuge stationiert, es werden Drohnen gesteuert oder auch Verletzte versorgt. In Deutschland gehören dazu das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart und als Drehkreuz der US-Luftwaffe der Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz. Weitere wichtige Stützpunkte unterhalten die USA in Italien und in Großbritannien.

Der US-Kongress hatte Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: So darf die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Danach müssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustrengen.

In den letzten Wochen hat sich das Verhältnis von Trump zu mehreren europäischen Staatschefs deutlich verschlechtert. Alle hatten zuvor Kritik an der Politik im Nahen Osten des US-Präsidenten geübt. So sind auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Zuletzt krachte es nach der Kritik des US-Präsidenten am Papst sogar zwischen ihm und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Geschrieben von: redaktion

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