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Herbert Grönemeyer prägt seit Jahrzehnten die deutsche Musik. Am 12. April feiert er seinen 70. Geburtstag – und ist noch immer mittendrin.
Kaum einer hat die deutsche Sprache so kantig in Melodien gepresst und die Brüche einer Nation so feinfühlig besungen wie Herbert Grönemeyer (70). Von seiner Schauspielrolle im Welterfolg „Das Boot“ bis hin zu den Stadion-Hymnen einer wiedervereinigten Republik steht er für eine Karriere, die weit über den Status eines Popstars hinausgeht. Er wurde zu einer prägenden Stimme des modernen Deutschlands.
Grönemeyer startete seine Karriere keineswegs als gesetzter Star. Nach Anfängen am Bochumer Schauspielhaus und der ikonischen Rolle des Leutnants Werner in „Das Boot“ (1981) war sein musikalischer Durchbruch hart erkämpft. Erst das fünfte Album „4630 Bochum“ (1984) katapultierte ihn an die Spitze. Es war der Moment, in dem das Ruhrgebiet eine Stimme bekam, die ehrlich, ungeschminkt und tief verwurzelt war.
Grönemeyers Kunst ist untrennbar mit seiner persönlichen Biografie verwoben. Der wohl schwerste Bruch erfolgte 1998, als innerhalb weniger Tage sein Bruder Wilhelm und seine Ehefrau Anna starben. Diese Tragödie mündete 2002 in das Album „Mensch“, das sich millionenfach verkaufte und zu den erfolgreichsten deutschen Alben aller Zeiten zählt. Hier zeigte sich eine seiner größten Stärken: Schmerz so zu artikulieren, dass er für viele Menschen tröstlich wird.
Trotz seines Ruhms hält er sein Privatleben weitgehend unter Verschluss. Er lebt heute zwischen Berlin und London und beschrieb sich selbst einst als „Wildromantiker“. Seine 2016 geschlossene Ehe mit Josefine Cox markiert einen neuen, lebensbejahenden Abschnitt in einem Leben, das von extremen Höhen und Tiefen geprägt ist.
Grönemeyer ist kein Künstler, der sich im Elfenbeinturm versteckt. Er nutzt seine Popularität konsequent für gesellschaftspolitische Botschaften – etwa bei „Band für Afrika“, in seinem Engagement gegen Rechtsradikalismus oder mit klaren Positionierungen während der „Tumult“-Tournee 2019.
„Wir alle sind aufgerufen, jetzt für dieses Land, für die 80 Millionen Menschen ein Klima, eine Kultur zu schaffen, in der alle sicher und offen leben können. Und wir alle müssen uns klar positionieren gegen Rechts“, sagte er 2018 im Interview mit dem Deutschlandfunk. Sein politisches Denken ist geprägt von einem „Urvertrauen in die Menschen“, wie er oft betont. Er kritisiert eine Politik des „Aussitzens“ und mahnt an, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern tägliche Arbeit erfordert.
Dass Grönemeyer auch mit 70 Jahren am Puls der Zeit bleibt, bewies er eindrucksvoll durch seine Offenheit für neue Genres. Die Neuinterpretation seines Klassikers „Zeit, dass sich was dreht“ zusammen mit dem Berliner Rapper $OHO BANI wurde 2024 zu einem viralen Phänomen. Ursprünglich die Hymne zur WM 2006, entwickelte sich der Song im Kontext der Europameisterschaft 2024 erneut zur inoffiziellen Fußball-Hymne.
Grönemeyer nutzt diesen Erfolg jedoch nicht nur zur Unterhaltung, sondern als Appell gegen den Rechtsruck. Die Zusammenarbeit mit jungen Künstlern wie der Produzentin Suena (für die Single „Flieg“, 2025) zeigt, dass er keinen Generationenkonflikt scheut, sondern den Dialog sucht.
Wer geglaubt hat, Grönemeyer würde im Rentenalter die Beine hochlegen, sieht sich getäuscht. Im Oktober 2025 veröffentlichte er mit „Unplugged 2 – Von allem anders“ eine akustische Werkschau, die in den legendären Berliner Hansa Studios aufgenommen wurde. Seine anschließende Tournee „mittendrin – akustisch“, die bis Februar 2026 durch ausverkaufte Hallen führte, präsentierte ihn nahbarer denn je – unterstützt von einem 20-köpfigen Chor und Streichquartett. Ab Mai 2027 steht die nächste gigantische Arena-Tournee an.
Geschrieben von: redaktion
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